Glossar · Recht & Beweis

Scheinselbstständigkeit

Auch bekannt als: Scheinselbständigkeit

Bekannt durch

DER SPIEGELWirtschaftsWocheSAT.1BB RadioMärkische AllgemeineSchweriner Volkszeitungwallstreet:online

Inhaltlich verantwortet von Marcello Doering, Inhaber & Chefermittler · Stand 2026-04-28

Definition

Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn eine formal selbstständige Person tatsächlich abhängig beschäftigt ist — Kriterien sind Weisungsgebundenheit, Eingliederung in den Betrieb, fehlendes Unternehmerrisiko und überwiegende Tätigkeit für nur einen Auftraggeber (§ 7 SGB IV). Folgen: Nachzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen für bis zu 4 Jahre (bei Vorsatz 30 Jahre), Lohnsteuerhaftung und Strafbarkeit nach § 266a StGB für die Geschäftsführung.

Begriff: Scheinselbstständigkeit · Synonyme: Scheinselbständigkeit

Praxisbeispiele

Wann „Scheinselbstständigkeit“ in der Praxis vorkommt

  • Dokumentation der täglichen Anwesenheit und Weisungsbindung eines vermeintlichen IT-Freelancers über mehrere Wochen.
  • Beweissicherung für eine Statusfeststellungsklage zugunsten eines als Solo-Selbstständigen geführten Kurierfahrers.

Verwandte Begriffe

Im Zusammenhang mit „Scheinselbstständigkeit“

Arbeitszeitbetrug

Arbeitszeitbetrug ist die Vortäuschung geleisteter Arbeitszeit durch unrichtige Zeiterfassung, Schwarzarbeit während der bezahlten Arbeitszeit, fingierte Außendiensttermine, manipulierte Spesen oder das systematische Verlassen des Arbeitsplatzes vor Schichtende. Aufklärung erfordert die Verbindung von Zeiterfassungsdaten, GPS-Routen dienstlicher Fahrzeuge, Observationsergebnissen und Spesenbelegen. Bei Nachweis ist arbeitsrechtlich regelmäßig die fristlose Kündigung möglich, ergänzt durch Schadensersatz und Erstattung der Ermittlungskosten.

Lohnfortzahlungsbetrug

Der Lohnfortzahlungsbetrug ist die Vortäuschung von Arbeitsunfähigkeit zur Erschleichung von Entgeltfortzahlung nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz. Häufige Konstellation: Krankschreibung wegen vermeintlicher Erkrankung bei gleichzeitiger Nebentätigkeit, Reise oder Bauleistung am Eigenheim. Er ist einer der häufigsten Anlässe arbeitsrechtlich belastbarer Detektivobservationen und führt bei Nachweis regelmäßig zur fristlosen Kündigung sowie zur Kostenerstattungspflicht des Arbeitnehmers nach der BAG-Rechtsprechung.

Internal Investigation

Eine Internal Investigation ist die strukturierte, vertrauliche Aufklärung eines unternehmensinternen Verdachts auf Regelverstoß durch Compliance, Rechtsabteilung oder externe Spezialisten. Sie umfasst Datensicherung (E-Mail, Buchhaltung, Logfiles), Mitarbeiterinterviews und verdeckte operative Maßnahmen. Verwertbarkeit setzt klare Befragungsbelehrung, Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats (§ 87 BetrVG) und DSGVO-konforme Datenverarbeitung voraus.

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